Ich würde gerne darüber diskutieren, was jeder einzelne unter dem Begriff eines “Totalzerstörer” versteht. Vielleicht kann man diese Situation besser besprechen und “analysieren”, wenn wir eine Definition davon haben?
Für mich ist dieses Ereignis bspw. ein Frontklapper, welcher den Schirm so stark verformt, dass bspw. ein Hufeisten (Ohren kommen nach vorne) entsteht. Eine Variation oder Folge davon wäre, dass bei nicht optimalem Eingriff durch den Piloten der Schirm nicht symmetrisch anfährt und in der Folge ein Wegdrehen oder Spiralsturz möglich wäre.
Eine andere denkbare Definition wäre, dass bspw. mehr als 75% des Schirmes nicht mehr Flugfähig (geklappt) ist .
Was ist eure “Definition” eines “Totalzerstörers”?
Ich verstehe darunter, dass die Kappe (kurzzeitig) “komplett abgräumt” ist. Das ist aber natürlich auch keine saubere Definition.
Was kann daraus entstehen? So ziemlich alles, je nachdem wie die Kappe wieder “Luft schnappt” (komplett harmlos bis sofortiger heftiger Spiralsturz mit Verhänger).
Vielleicht könnte eine Definition auch in die Richtung gehen, dass sich das Ereignis nicht gut mit den üblichen Begriffen für Störungen beschreiben lässt.
Der Begriff “Totalzerstörer” gehört in meiner Wahrnehmung eher zu den generischen Oberbegriffen, hinter denen sich verschiedene physikalische Abläufe befinden können.
Ich fände eine Definition insofern wichtig, weil (nicht nur) Anfänger vor dieser Situation mächtig Angst haben. Das Wort selbst ist verbal “aufgeladen” - und wie @larpskendya schon schrieb muss nicht zwingend ein fatales Ende der Ausgang sein. Darum finde ich auch eine “Definition” wie bspw. >75% des Schirms waren weg “milder”.
Persönlich kenne ich auch niemand, der nach einem “Totalzerstörer” abstürzte (also total zerstört war).
In einer Diskussion, bei der man ggf. erörtern könnte was zu tun ist um das Ereignis zu klären, wäre dann schon ein wenig gewonnen, wenn man wüsste, was der Verwender des Begriffes darunter versteht.
Was ist eine solche “Definition” wert, wenn sie höchstens einen Bruchteil von dem abdeckt was damit gemeint ist? Der Vorschlag suggeriert, dass bei einem Totalzerstörer von einem asymmetrischen Klapper die Rede ist.
Warum soll man vor einem Totalzerstörer keine Angst haben? Das ist doch nur vernünftig. Ich möchte keinen Totalzerstörer kassieren, gerade wegen dem ungewissen Ausgang … das ist wie Russisch Roulette.
Angst ist meines Erachtens dann ein schlechter “Ratgeber”, wenn man nicht weiß, wie man das Ereignis bearbeitet. Weiß man es, dann ist imho “Respekt” vor dem Ereignis die richtige “Strategie”.
Gerade Anfänger haben vor dem Wort “Totalzerstörer” Angst, weil sie
nicht wissen, was damit gemeint ist und
keine Vorbereitung, was zu tun ist.
Ich persönlich hatte imho noch nie einen “Totalzerstörer” - wobei ich einschränkend dazu sagen möchte, dass ich - ohne es bisher genannt zu haben, gerade eine weitere DefinitionsMÖGLICHKEIT sehe: Total zerstört = unreparierbar. Da passt dann das Wort Angst wieder ganz gut dazu.
Meine “schlimmsten” Vorfälle waren:
Einseitiger großer beschleunigter Klapper mit folgendem Twist (sehe ich nicht als “Totalzerstörer”)
Frontklapper der aufgrund getretener Fusstrimmung (Beschleuniger) nicht sofort wieder aufging (definiere ich auch nicht als TZ, weil Schirm weiterhin sauber flog und nach lösen des Beschleunigers umgehend wieder aufklappte)
Ob wir nun von gesunder Angst oder Respekt sprechen sei mal dahingestellt.[1]
Warum sollten wir Folgendes tun, damit Anfänger und andere sich besser fühlen mit “Totalzerstörern”?
Den “Totalzerstörer” als etwas definieren, das weit entfernt ist vom gängigen Sprachgebrauch des Wortes.
Ein “Patentrezept” dazugeben, wie man damit umgehen kann. Das täuscht eine vermeintliche Sicherheit vor.
Man kann seine Chancen im Falle eines Totalzerstörers hauptsächlich verbessern, indem man ein besserer Pilot wird (Gefahrenstellen frühzeitg erkennen und meiden, aktives Fliegen, Training Flugtechnik/SIV).[2] Das hat folgende Auswirkungen:
Die Chance sinkt, einen Totalzerstörer oder eine andere ernsthafte Störung zu kassieren.
Falls es doch passiert, stehen einem mehr Werkzeuge zur Verfügung, die Lage wieder in den Griff zu bekommen. Natürlich sollte dies nicht dazu führen, zu spät zum Retter zu greifen.
Es war keine Angst gemeint, die einen in Panik versetzt und handlungsunfähig macht. ↩︎
Ein fehlerverzeihenderes Gerät kann auch sinnvoll sein. ↩︎
Für mich ist ein total Zerstörer ein Zustand, indem der Schirm überhaupt nicht mehr fliegt aus welchen Gründen immer. Zudem ist nicht kalkulierbar, wie sich der Schirm aus diesem total Zerstörer heraus verhält. Man kann dann noch mal darüber sprechen, wie er zu Stande gekommen ist, aber ein total Zerstörer beschreibt einen ausgesprochen gefährlichen Zustand der unmittelbares Handeln verlangt (zum Beispiel Retter oder perfekter Eingriff durch den Piloten).
(zum Beispiel Retter oder perfekter Eingriff durch den Piloten).
Zum Thema Respekt oder Angst: es ist sowohl respekteinflößend, als auch Angst auslösend. Das sollte eben klar sein, dass es Flugsituationen, oder besser Wettersituation, oder besser Windsituationen gibt, die solche total Zerstörer zur Folge haben können. Damit ist es für mich okay davon zu sprechen. Nach Möglichkeit halt mit dem entsprechenden Kontext (wie wurde eingeleitet, was es passiert?), um mögliche Vermeidungsstrategien oder Handlungen in dieser Situation besser zu beschreiben.
Ich denke in einem Punkt sind @Alois, @Tomasito und ich uns einig:
Der Gleitschirm fliegt (kurzzeitig) überhaupt nicht mehr (“Lumpen”, zerknülltes Stück Stoff, “komplett abgeräumt”).
@Tomasito und ich ergänzen zudem, dass nicht kalkulierbar ist, wie der Gleitschirm sich im Anschluss verhält (so ziemlich alles ist möglich). @Alois beschreibt dies implizit mit “Lumpen” oder “zerknülltes Stück Stoff am Himmel”.
Damit ist der gemeine Totalzerstörer potenziell extrem gefährlich.
OK. Wenn wir damit Einigkeit erreichen können, bin ich dabei.
Mich würde dann interessieren, wer kann konkret von so einem Zustand berichten? Hat einer von euch so einen Zustand schon mal erlebt?
Ich kenne ein Video von Julia mt einem Frontklapper, welcher zu einem Hufeisen führte (wurde gut Ausgeleitet, Ursache mir nicht bekannt, ggf. starke Thermik)
Ein weiteres welches ähnlich gelagert, Ursache starker Talwind, Flug rückwärts. “Schlechte Ausleitung” Glückliches Ende.